Barbara Karlich Show vom 11.02.2019

Ich habe meine Wut im Gefängnis gelassen

Der Neubeginn nach einer langjährigen Haftstrafe ist oft schwierig. Ehemalige Straftäter werden manchmal rückfällig, da es ihnen nicht gelingt, im Leben außerhalb der Gefängnismauern wieder Fuß zu fassen. Wie kann Resozialisierung gelingen? Welche Rolle spielen Familie und Freunde?

© ORF
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Johannes, 36, Theologe aus Deutschland,
geriet in jungen Jahren auf die schiefe Bahn und verbrachte fünf Jahre im Gefängnis, wo er eine Lehre absolviere und zum Glauben fand. „Als ich meine Haft antreten musste, dachte ich, mein Leben sei vorbei, doch durch Gott fand ich einen Ausweg.“ Für Johannes war klar, dass Reue alleine nichts bringt: „Viel wichtiger ist aus seinen Fehlern zu lernen. Die Arbeit mit Seelsorgern ist enorm wichtig, sie vorverurteilen Straftäter nicht, sondern achten die Menschenwürde.“

Anita, 38, Kosmetikerin aus Oberösterreich,
musste erfahren, dass der Mann, in den sie sich verliebte, eine kriminelle Vergangenheit hat. „Sein früheres Leben spielte für mich keine Rolle, obwohl er viele Vorstrafen hat. Außerdem war ich früher selbst Prostituierte, daher kannte ich das Milieu.“ Anita und ihr Mann sind inzwischen seit fünfzehn Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. „Ich bin davon überzeugt, dass jeder eine zweite Chance verdient hat. Mein Mann und ich sind die besten Beispiele dafür.“