Barbara Karlich Show vom 14.09.2017

Bieder ist mir zuwider

Wiederholungssendung vom 08.02.2017

Ein Eigenheim, eine Familie und ein geregeltes Einkommen: Was für viele Menschen erstrebenswert und das höchste Ziel im Leben ist, wird von anderen einfach nur als spießig und bieder angesehen. Auch einige von Barbaras heutigen Gästen möchten lieber etwas tun, was sonst keiner macht und aussprechen, was sich sonst keiner zu sagen traut.
 

© ORF
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Hans, 74, Dolmetscher in Pension aus Bayern,

wuchs in einer Bauernfamilie auf, wurde katholisch erzogen und war viele Jahre im Bayerischen Trachtenverband aktiv: „Ich führte eigentlich ein biederes Leben, wollte aber immer schon provozieren und war anders als die anderen.“ 1965 konvertierte er zum Islam und lernte in Anatolien seine Frau kennen, mit der er seit 43 Jahren verheiratet ist: „Wir bekamen vier Kinder und führten nach außen hin eine ganz normale Ehe. In Wirklichkeit war ich aber immer schon homosexuell und habe meine Neigungen viel zu lange unterdrückt.“ Als er mit 65 Jahren seine große Liebe kennenlernte, outete er sich: „Es ist eine große Last von mir abgefallen, obwohl mit dem Coming Out nicht alle umgehen konnten.“

Traudi, 66, Taxifahrerin in Pension aus Oberösterreich,

führt gerne ein traditionelles und biederes Leben: „Die Jugendlichen und auch die Erwachsenen sollten sich in der Gesellschaft anpassen, denn Außenseiter zu sein ist für niemanden angenehm.“ Als Obfrau eines oberösterreichischen Trachtenvereins sind ihr Traditionen und familiäre Werte sehr wichtig: „Ich bin selbst als uneheliches Kind zur Welt gekommen und wusste daher schon früh, dass meine eigenen Kinder in der Ehe geboren werden sollen. Bei der Erziehung habe ich sehr auf gute Manieren und Anstand geachtet. All jene Qualitäten, die der heutigen Jugend immer mehr abhandenkommen.“