Barbara Karlich Show vom 14.06.2018

Erziehung funktioniert nicht demokratisch  

Kinder sind unsere Zukunft und manche Eltern meinen, dass man den Nachwuchs für eine demokratische Gesellschaft  auch demokratisch erziehen sollte. Andere sind der Ansicht, dass es Aufgabe der Eltern ist gewisse Spielregeln auszustellen und auf deren Einhaltung zu pochen. Sie sind überzeugt, dass grundlegende Regeln nicht von den Kindern mitbestimmt werden können.

© ORF
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Gery, 50, Koch aus Oberösterreich,
ist in einer bäuerlichen Großfamilie bei seiner Großmutter aufgewachsen. Während die „strenge, aber liebevolle Regentin“ fünfzehn Kinder erzog, war demokratische Erziehung kein Thema. „Hätte meine Oma bei uns Demokratie walten lassen, wäre alles drunter und drüber gegangen“, ist Gery heute überzeugt. Und das findet er auch gut so, denn Grenzen, Verbote und klare Regeln gehören seiner Ansicht nach auf jeden Fall zur Erziehung eines Kindes dazu. „Dass viele Eltern heutzutage ihren Kindern alles durchgehen lassen, erkennt man daran, dass die Gesellschaft immer mehr verweichlicht“. Er ist der Meinung, dass Österreich niemals so erfolgreich wäre, hätte es nicht solche Erziehende wie seine Oma gegeben.

Anita, 35, Fitnesscoach aus dem Burgenland,
sieht die Welt der Kindererziehung demokratisch und ohne Hierarchien. „Mein Kind soll es einmal besser haben, als ich es mit meinen strengen Eltern hatte“, erzählt die Mutter einer Siebenjährigen. „Mit 17 habe ich dem elterlichen Druck aus Verboten, Vorgaben, Maßregelungen und teilweise auch Gewalt nicht mehr standhalten wollen und habe meinen Eltern den Rücken gekehrt“. Ihre Tochter darf nicht nur eine alternative Schule besuchen, sondern darf auch vieles mitbestimmen, in dem sie nach ihrer Meinung gefragt wird. „Verbote und Strafen haben keinen Platz in der Kindererziehung, denn sie hemmen nur und führen zu einem schlechten Gewissen“, weiß Anita.