Barbara Karlich Show vom 13.03.2018

Reue: Das tut mir heute noch leid

Im Leben vieler Menschen gibt es Ereignisse, die sie auch nach Jahren nicht loslassen und die für sie mit dem Gefühl der Reue verbunden sind. Wie kann man mit dem Bedauern über das eigene Verhalten und der Wehmut nicht das Richtige getan zu haben, am besten umgehen?  Gehört Reue zur Bewältigung unliebsamer Erlebnisse und ist notwendig, um  einen Lernprozess in Gang zu bringen, oder ist es besser ohne Gewissensbisse auf Vergangenes zurückzublicken.

© ORF
© ORF

Gerry, 53, Musiker aus der Steiermark,
konnte sich bei seinem Vater nicht verabschieden: „Ich hätte meinem Vater gerne noch so viel vor seinem Tod gesagt, doch leider war es zu spät. Da er vor seinem Tod unter Demenz litt, hatte ich keine Möglichkeit zur Aussprache.“ Ein inniges Verhältnis hatten die beiden nicht: „Ich war nicht oft zu Hause und es war auch nicht so üblich. Doch ich habe daraus gelernt, mein Sohn und ich sagen uns jeden Tag, dass wir uns lieb haben.“ Gerry hat für seinen Vater ein Lied geschrieben: „Es tut mir bis heute leid, dass es so gekommen ist. Mit dem Lied habe ich versucht es zu verarbeiten.“

Lothar, 60, Selbstständiger Kapitän und Gastronom aus Salzburg,
hält nichts von Reue: „Das Gefühl der Reue ist im gesamten Leben nicht angebracht. Reue ist für mich jammern und das bringt dich nicht weiter. Man sollte im Vorhinein überlegen, wie man seinen Weg gehen will.“ Davon hat er sich auch nie abbringen lassen: „Ich habe sehr viel gearbeitet und auch jetzt habe ich sehr wenig Zeit für meine Familie. Manchmal bringt es mich schon zum Nachdenken, aber ich bereue nichts.“ Dennoch gibt es eines, was er ändern wollte: „Ich habe meine Kindheitsfreundin über vierzig Jahre nicht gesehen und möchte sie heute im Studio überraschen.“